Vodafone erhöht die Preise – Das solltet ihr jetzt tun.

Vodafone hat an alle Kabel- und möglicherweise auch DSL-Kunden eine E-Mail in den Spam-Ordner mit einer Preiserhöhung geschickt.
Ein paar Gedankengänge:

  1. Diese Preiserhöhung bezieht sich auf eine Preisanpassungsklausel in den AGBs, AGBs sind nicht rechtlich bindend und stillschweigende Zustimmung wurde zunehmend durch die Judikative verhindert.
    Sprich: Auf die angekündigte Weise kann Vodafone die Preise nicht erhöhen, da sie sich rechtlich nicht mehr auf stillschweigende Zustimmung verlassen können.
  2. Kunden müssten also explizit um Zustimmung gebeten werden. Wurden sie aber noch nicht.
  3. Schlimm ist das für Vodafone nicht: Den nicht zustimmenden Kunden kündigt man eben providerseitig die Verträge.
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Was ist also jetzt zu tun?

Ihr werdet mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, wenn ihr länger als zwei Jahre Kunde bei Vodafone seid auf dem CableMax Tarif sein, also 40€ pro Monat an Vodafone zahlen (oder weniger mit Mobilfunk-Kombinationsrabatt).
Grund ist schlichtweg, dass Vodafone 1 GBit prinzipiell günstiger als die anderen Tarife verkauft hat. Auch O2 macht dies weiterhin noch so.

Eure Tarife werden nun also „illegal“ ab Juli auf 45€ pro Monat angehoben weil ihr „nichts“ getan habt (was in meiner Einschätzung bei alleiniger Ankündigung per E-Mail im Spamordner per se auch keine stillschweigende Zustimmung ist). Wenn ihr euch die spätere Sammelklage an Vodafone sparen wollt, müsst ihr jetzt halt wechseln.
Zum Glück gibts da Alternativen. Vodafone hätte damals Kabel Deutschland nicht im Alleingang kaufen können, da hat die Bundesnetzagentur schon für gesorgt.

Wohin denn nun?

Seid ihr einer der Benachteiligten mit Vodafone Coaxialkabel habt ihr den Vorteil dass Vodafone damals beim Kabel Deutschland Aufkauf O2 mit ins Boot holen musste um überhaupt Kabel Deutschland weg zu bekommen. Sprich: die gleichen Anschlüsse, die Vodafone befeuern kann, kann auch O2 befeuern.

Jetzt müsst ihr aber trotzdem einige Dinge bedenken.
Die übernommene Kabeltechnik kann seit Jahren (seit Aufkauf) kein stabilen Ping machen. Seid ihr z.B. beruflich auf einen recht alten IPSec-VPN Tunnel angewiesen oder spielt gerne Wettkampf-Computerspiele sollte statt der Geschwindigkeit die Stabilität der Leitung bevorzugt werden.

Neben dem Coaxialkabel kann O2, genau so wie die Telekom euch in der Regel auch DSL ins Haus legen. Dies dann allerdings mit 250 MBit/s oder gar weniger. Der große Vorteil ist hier allerdings, dass die Leitung weitaus stabiler ist. Sprich: Videokonferenzsoftware hat weniger zu „arbeiten“ weil sie nicht ständig irgendwas in der Videokompression abändern muss und eure zeitkritischen Verbindungen, wie der Firmen-VPN oder das Computerspielchen laufen doch weitaus stabiler.

Der gesamte Wechselprozess

Da hier Vodafone sich in illegale Bereiche begiebt sind hier einige Dinge mehr zu beachten:

Vorerst solltet ihr das Ganze, und zwar in jedem Fall – unabhängig ob ihr kündigt oder nicht – der Verbraucherzentrale melden.
Jetzt gibt es für euch ein Sonderkündigungsrecht. Dies erwähnt Vodafone auch in der Mail. Ich würde die Kündigung allerdings Postwendend nach Ratingen schicken, weil Vodafone unter der Adresse in der Mail nach der Preiserhöhung extra Teams auf die Kündigungen angesetzt hat. Braucht Ihr Unterstützung beim Formulieren für eine Kündigung zu eurem Wunschtermin nutzt ChatGPT dafür.

Jetzt wartet ihr auf die Kündigungsbestätigung von Vodafone, die euch das genaue Datum nennt, wann man bei euch aufhört zu funken.
Mit dieser Kündigungsbestätigung geht ihr nun zu O2 oder Telekom und schließt dort zum passenden Datum einen neuen Vertrag ab.

Vor- und Nachteile von O2 gegenüber Vodafone

Einige Dinge bei O2 gibt es allerdings zu bedenken:

  • es ist nicht sicher, ob O2 ebenfalls Preise erhöht oder nicht. Es wäre wohl für O2 eine der dümmsten Entscheidungen dies in den nächsten Monaten zu tun. Bzw. wäre es ziemlich unklug von O2 dies zu tun, bevor die Sammelklage gegen Vodafone nicht durch ist.
  • O2 hat einen „Technologierabatt“ auf die Kabel-Deutschland-Leitungen und gleicht über diesen die Preise an Vodafone an.
  • Preisanpassungsklauseln sind auch bei O2 oder der Telekom nicht ausgeschlossen.
  • O2 kann im Gegensatz zu Vodafone nur eine Festnetznummer bedienen, während ihr bei Vodafone Fax und Anruf separat laufen lassen könnt, kann O2 das nicht bedienen.

und nun zum Positiven

  • Vodafone kann kein IPv6 und klammert sich an DSLite um weiter Verträge verkaufen zu können, O2 unterstützt IPv6 nativ.
  • Hier muss also Vodafone sich um einen 6in4-IP-Tunnel bemühen, während O2 das ganze andersherum, also bei reinen v6-Anschlüssen einen 4in6-Tunnel einsetzen kann.
  • Bei Vodafone müsst ihr einen Providerrouter abnehmen, die Probleme mit einzelnen WLAN-Geräten verursachen, selbst wenn ein eigener Router eingesetzt wird. O2 fragt bei Abschluss nach eurer Router-MAC-Adresse. Ihr habt also bei O2 weniger Technik sinnlos im Keller stehen und unterstützt die Preistreiberei für den Endkunden-Routermarkt nicht mehr.

Kurzes persönliches Fazit

Nach mehreren Jahren Vodafone kann ich schon vermuten, dass die Preiserhöhung hätte nicht unbedingt sein müssen. Das gleiche erreicht man mit Verbesserung von Geschäftsprozessen. Ich unterstelle hier dem Provdider nicht, in dem Bereich nichts zu tun, aber so Dinge wie das „festklammern“ an DS-Lite zeugt eigentlich schon von eher traditionalistisch und damit teurer ausgeprägten Entscheidungsprozessen.

Letztlich ist es eure Entscheidung was ihr tut (halt außer die Meldung an die Verbraucherzentrale). Ob ihr jetzt wartet ob O2 ebenfalls anhebt oder nicht ist euer Bier. Immerhin sind 50 € O2-Anschlussgebühren fast ein ganzes Jahr Vodafone-Preiserhöhung, bis dahin sind in der Regel auch Sammelklagen gegen Provider durch.
Allerdings habt ihr jetzt die Möglichkeit euch um Dinge zu kümmern, auf die ihr vielleicht die letzten Jahre den Fokus verloren habt.

Mehr zu Vodafone aus dem Blog gibts hier.

Kabel Deutschland ködert 200 Mbit/s DSL-Drosseltarife mit Preisvorteil

Vodafone verteilt 200 Mbit/s Leitungen, allerdings in jeweils zwei Versionen. Eine Version für 59,99€ im Monat wird nicht gedrosselt, eine andere über die aufgekaufte Firma Kabel Deutschland für ganze 20€ weniger pro Monat wird aber ab einem Terabyte auf 10 Mbit/s gedrosselt.

Dabei sind die 20€ weniger im Monat noch nicht alles, Vodafone ködert auch mit einem 50% Nachlass für das erste Jahr der Laufzeit.
Kunden sollen sich ganz genau überlegen wie ihr Datenverbrauch zu Hause denn wäre, bevor sie ihr DSL-Paket buchen, gibt Vodafone entschuldigend zur Kenntnis.

Für die Drosselung eine eher unfaire Strategie, aber spätestens seit der Telekom-Affäre haben ja fast alle Anbieter gelernt, wie man eine DSL-Drosselung marketingtechnisch etwas cleverer vermarkten könnte.

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